Sportpraktische Arbeitstagung 25. Juni 2026

Klare Ansage, aber nicht den Helden spielen
Polizisten sprachen bei Arbeitstagung des Fußball-Kreisverbandes über Gewaltprävention
Streit, Ärger, Aggressivität: Zehn Fußballspiele wurden in der zurückliegenden Saison im Kreis Peine abgebrochen. „Das sind zehn zuviel“, stellte Kreisverbands-Chef Hans Hermann Buhmann bei der sportpraktischen Arbeitstagung fest. Auffallend ist die Steigerung. In der Saison zuvor waren es drei Abbrüche gewesen.
Grund genug gegenzusteuern. Der Kreisverband hat bereits in Gesprächsrunden mit Vereinen Gründe für Streitigkeiten analysiert und mögliche Vorsorge-Maßnahmen benannt. Im Vortrag der Peiner Polizeibeamten Sandra Ohlendorf und Stefan Kükelhahn jetzt bei der Arbeitstagung ging es um dasselbe Thema. „Maßnahmen zur Gewaltprävention auf unseren Sportplätzen und in den sozialen Medien“ lautete der Titel.
„Der Maßnahmen-Katalog, den man auf der Homepage des Kreisverbandes nachlesen kann, ist ein super ausgearbeitetes Konzept der Prävention“, lobte die Polizeibeamtin. Sie empfahl den Vereinsvertretern, schon rechtzeitig vor einem sogenannten Risikospiel bei der Peiner Polizei anzurufen und auf den Termin hinzuweisen. Ihre Kollegen könnten sich dann darauf einstellen und bei ruhigem Dienstverlauf eventuell die Fahrtroute einer Streife entsprechend verlegen. „Bei einer Alarmierung wissen wir dann auch, dass wir vielleicht nicht nur mit einem Wagen hinfahren“, schilderte sie.
Den Vereinen empfahlen die beiden Polizisten, Platzordner auszuwählen, die ein gewisses Standing haben. Störer sollten erst einmal persönlich angesprochen werden. Nützt das nichts, sollte eine zweite klare Ansage mit Androhung des Platzverweises folgen. „Wichtig ist aber, nicht den Helden zu spielen, sondern dann die Polizei zu rufen.“
Ohlendorf und Kükelhahn schilderten obendrein, welche Rechte Vereinsvertreter im Ernstfall haben. Sie dürfen einen Täter festhalten, bis die Polizei da ist. Erlaubt ist es auch, ihn auf den Boden zu bringen – nicht aber, ihn zu durchsuchen. Das Filmen oder Fotografieren des Vorfalls sei auch erlaubt, sofern Film beziehungsweise Fotos sofort der Polizei zur Verfügung gestellt werden. Nicht erlaubt ist eine Veröffentlichung zum Beispiel in sozialen Medien. „Auch ein Täter hat das Recht am eigenen Bild“, sagte Ohlendorf.
„In der zweiten Halbserie werden wir eine Ordner-Schulung veranstalten“, kündigte Buhmann an. Voraussichtlich werde jemand, der Bundesliga-Ordner schult, den Lehrgang halten.
Großes Lob gab es für die Peiner vom Vorsitzenden des Fußballbezirks Braunschweig, Stefan Voth. „68,25 Prozent der Peiner Vereine haben am DFB-Punktespiel teilgenommen. Das ist Platz eins im Bezirk Braunschweig und Platz zwei in Niedersachsen!“ Es handelt sich dabei um eine Aktion, bei der die Vereine für bestimmte Maßnahmen Punkte und in der Folge Prämien bekommen – sofern sie sich angemeldet haben. Vorn liegt im Kreis Peine der TSV Denstorf, der bereits Bälle, vier Minitore und einen 300-Euro-Equipementgutschein errungen hat. Das Punktespiel endet am 31. August.
Weitere Infos von der Arbeitstagung:
- Kurzfristige Spielverlegungen werden teurer. Erfolgen sie innerhalb von fünf Tagen (120 Stunden) vor dem ursprünglichen Spieltermin, kostet die Genehmigung 50 Euro. Bei längerfristig beantragten Verlegungen bleibt es bei 25 Euro.
- Spielausschuss-Chef Friedhelm Bronn kündigte an, dass „missbräuchliche Spielabsagen“ künftig nicht nur eine Geldstrafe kosten, sondern auch eine Spielwertung für den Gegner nach sich ziehen. Neu eingeführt wird ein von der Volksbank Brawo gesponsorter Kreispokal für Ü32-Teams.
- 24 Neue gibt es bei den Peiner Schiedsrichtern. Aber es haben auch 24 aufgehört. Fenja Bookjans und Dennis Miehe sind beim Männerfußball in den Bezirk aufgestiegen, sodass neun Unparteiische aus dem Kreis Peine überregional pfeifen. Einsatz-Spitzenreiter ist Robert Faltin vom TSV Dungelbeck, der 82 Spielen geleitet hat. „Er hat sogar mal als Zuschauer ein Spiel der Braunschweiger Eintracht zur Halbzeit verlassen, weil ein Kollege ausgefallen war und er den Notruf bekam“, berichtete Nico Metzing, Vorsitzender des Peiner Schiedsrichter-Ausschusses.
- Den Tag des Mädchenfußballs, die Spielfeste für G- und F-Junioren mit rund 300 Zuschauern und die Schulfußball-Liga mit 900 Schülern waren positive Ereignisse, die Frank Stephan aufzählte. Aber auch negative nannte der Vorsitzende des Jugend-Spielausschusses: Zu viele Mannschafts-Abmeldungen, einige Fälle von Gewalt und die jeweils einjährige Sperre für zwei Spieler. Bei den Juniorinnen ist ein kreisübergreifender Spielbetrieb geplant, und bei den A-, B- und C-Junioren soll es künftig einen Halbjahresauf- beziehungsweise –abstieg geben.
- Mit Bällen und Erinnerungstafeln wurden die Vereine ausgezeichnet, die Meisterteams haben: Fortuna Oberg (Kreisliga), SV Bosporus (1. Kreisklasse), TVJ Abbensen (2, Kreisklasse Nord), BSC Bülten (2. Kreisklasse Süd), TSV Marathon (3. Kreisklasse), TSV Wendezelle (Altherren 11er), Teutonia Groß Lafferde (Altherren 9er), SV Lengede (Ü40-Kreis- und Niedersachsenmeister) und SG VfB Peine/Herta Equord (Ü50).
Matthias Preß